Das nahe bei Göttingen liegende Kloster Bursfelde wurde im 15. Jahrhundert zum Ausgangspunkt für eine Klosterreform-Bewegung, in der sich über 100 weitere Klöster zu einer Kongregation zusammenschlossen. Wichtige Maßnahmen der Reform waren regelmäßige Visitationen der Klöster durch Äbte der Kongregation und vor allem die jährlichen Generalkapitel.
Die Beschlüsse auf den Generalkapiteln waren bindend und betrafen nicht nur die Lebensführung der Mönche und Nonnen, sondern auch die Liturgie und damit das liturgische Singen der Mönche und Nonnen. Die Generalkapitels-Rezesse lassen das Interesse an einer Liturgie- und auch Choralreform erkennen.
Was diese Liturgiereform bezwecken sollte, dazu gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben:
- Regionale Unterschiede sollten beseitigt werden, um Wechsel zwischen verschiedenen Klöstern zu erleichtern.
- Komplizierte Melodien sollten vereinfacht werden, damit sie für alle Mönche und Nonnen leichter zu lernen waren, anstatt eine Aufgabe für Spezialisten zu sein.
- Das Totengedenken für Stifter des Klosters, das im Laufe der Jahrhunderte überhandgenommen hatte, sollte gestutzt werden, damit die Mönche und Nonnen Zeit für andere Aufgaben gewannen.
Das Projekt “Die Rolle der Musik in den Bursfelder Klosterreformen” hat sich zur Aufgabe gesetzt, diese Annahmen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.